hippopotamus contemporary art, ausstellungstext

 

Der Basler Christian Ochsner (*1978) präsentiert in seiner ersten grossen Einzelausstellung Werke aus seiner jüngsten Schaffensperiode. Seine Malerei zeigt Fragmente aus der Pflanzenwelt in Nahaufnahme, welche die Natur nicht nur als Idylle, sondern auch als vergänglichen Organismus thematisiert. Der Künstler fokussiert auf vorgefundene Strukturen, Formen und die Details des gewöhnlich Unscheinbaren der Natur.

 

Christian Ochsner kam 1995 über Graffiti zu Ölmalerei. In den letzten Jahren setzt er sich in seiner künstlerischen Arbeit mit Motiven aus der Natur wie Bäumen, Mais oder Blätter auseinander, die er zu Fuss unterwegs in der Region Baselland entdeckt. Zeichnungen und fotografische Aufnahmen dienen als Vorlagen, die dann mit malerischen Mitteln zu eigenständigen Werken weiter entwickelt und von ihren natürlichen Vorbildern gelöst werden. Der Maler kombiniert und überlagert neue Eindrücke mit Erinnerungsbildern, die ihn während zahlreicher Aufenthalte in der Landschaft inspirieren. Er konstruiert Natureindrücke mit abstraktem Charakter, entfremdet das Vertraute und lässt dennoch Spuren vertrauter Gegenständlichkeit bestehen.

 

Wie mit einem Objektiv herangezoomt, bieten die Bilder eine Makroperspektive auf das Kleine und Unscheinbare der organischen Welt. Der Maler benützt in seinen Bildern reduzierte und abstrahierte Formen für die Darstellung der Pflanzenmotive. Die gezeigten Formationen der Blätter im Vordergrund des Bildes sind mit feinen Pinselstrichen klar herausgearbeitet. Licht- und Schattenspiele verstärken die natürliche Farbgebung und dienen dazu, die Struktur der Blätter plastischer hervortreten zu lassen. Mit malerischem Gestus werden die Elemente der Natur im Hintergrund mit Unschärfe getrübt und zu geometrischen Formen abstrahiert. Die hell bis dunkel gehaltenen grünen Farbflächen verschwimmen ineinander und verweben sich zu Strukturen und Muster.

 

In dem Bild das Blatt 1 (2007) rücken Fragilität und die Stimmung der Vergänglichkeit thematisch besonders ins Zentrum. Ein loses grünes Blatt wird von zwei dünnen Ästen aufgefangen, wir warten, bis es jeden Augenblick vom Wind weggeweht wird und aus dem Ausschnitt des Gemäldes verschwindet. Ochsner interessiert die Natur auch als Metapher für Leben und Tod, die sich immer wieder vereint und auflöst, sich ergänzt und abstösst.

 

Die auf Naturaufnahmen basierende Malerei des Künstlers zeigt sich uns wie die Natur selbst, sie ist gegenständlich und abstrakt zugleich.

 

Ana Vujic, Kunsthistorikerin, März 2008